Der Outsider. Stephen King.


„Wie seltsam wird das noch?“, lässt King einen Vertreter der Staatsanwaltschaft nach circa zwei Dritteln des Hörbuches sagen. Diese Frage hatte man als Hörer bis zu dieser Stelle mehrfach auf den Lippen. Was hat den Altmeister zu diesem Handlungs-Konstrukt getrieben? In Outsider passt einiges nicht zusammen. Man denkt zunächst es ist ein Thriller mit Kingtypischen, blutigen Elementen. Das Geschehen ist sehr spannend aber irgendwann im Rahmen eines „gängigen“ Thrillers nicht mehr aufzulösen. Das hat der Autor selbstverständlich geplant, auch wenn King kein Freund des Plottens ist. Und so kommt es für den Hörer plötzlich, wenn die Tür ins Übernatürliche geöffnet wird, die bis dahin sorgsam verborgen wurde. Und als dann noch Holly, bekannt aus der Bill Hodges-Trilogie, auftaucht und eine neue Hauptfigur wird, ist die Verwirrung komplett. King verhakelt sich zwischen zwei Geschichten, die Auflösung mag nicht jeden zufriedenstellen.

Worum es geht: Terry Maitland, ein beliebter Englischlehrer und Coach von Jugendmannschaften, wird verhaftet. Er soll einen elfjährigen Jungen ermordet und bestialisch geschändet haben. Polizei und Staatsanwaltschaft haben erdrückende Beweise, doch Maitland verfügt über ein wasserdichtes Alibi. Er kann nicht der Täter sein. Liegt eine Verwechslung vor? Gibt es einen Doppelgänger? Oder war Terry an zwei Orten gleichzeitig? Es entspinnt sich ein komplexes Detektiv-Spiel in dem ein unheimlicher Täter genauso überraschend auftaucht, wie Holly Gibney. Eine unvorhersehbare Wendung kündigt sich an … und aus einem Thriller wird „ES“ für und mit Erwachsenen.

Das Buch ist wie immer toll geschrieben und King bietet den ein oder anderen Schmunzler. Zum Beispiel als er Terry Maitland auf einer Autorenlesung eine jener abgedroschenen Fragen stellen lässt, die King selbst sicher schon 1.000 Mal gehört hat. Doch trotz der Liebe zum Detail, der interessanten Charaktere und der an sich spannenden Handlung, ist der rote Faden diesmal so kunstvoll verwoben, dass auch der geneigte Hörer ihn bisweilen verliert. David Nathan trägt seinen Teil dazu bei. Seine Interpretation der Holly ist so gut und typisch, dass man sich sofort in einem Bill Hodges-Roman wähnt (der leider an Krebs verstarb). Schade, vielleicht hätte King besser diesen geschrieben.

Random House Audio. August 2018. Ungekürztes Hörbuch. 19 Stunden, 12 Minuten

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