Three Oaks. Dan Adams.


Western-Stories haben es schwer in Europa. Auch wenn es nach den goldenen 1950 – 1970er Jahren immer wieder Revivals gab, wie Kinobeispiele zeigen. Man denke an Young Guns (1988), Maverick (1994, mit dem unsäglichen deutschen Zusatztitel „Den Colt am Gürtel, ein As im Ärmel“), Wild Wild West (1999) oder jüngst Tarantinos The Hateful 8 (2015). Auch in der Musik werden Country Western Motive gerne genommen. Siehe weiland Rednex (Cotton Eye Joe) und aktuell Kyle Minoge deren Liedchen „Dancing“ sich wohlwollend als Country-Pop einordnen lässt. Sicher gibt es viele Fans und entsprechende (Nischen-)Titel – aber im Endeffekt ist „Western“ selten Mainstream. Vielleicht sind die Geschichten vom edlen Wilden, dem lownsome Ranger oder der gottesfürchtigen Siedlerfamilie im Kampf gegen whisyksaufende Halunken, schon erzählt. Jedenfalls, gibt es seit 2016 die Wstern-Serie Three Oaks, ein Roman/Hörbuch in sechs, jeweils kurzen, Teilen.

Dan Adams nimmt uns mit ins Jahr 1879. Colorado. Schneesturm. Der junge Arzt Allan Kerrish ist auf der Flucht, doch vor wem? Kerrish muss sich halberfroren und -verhungert von Wolfsfleisch ernähren, überlebt die Kälte nur knapp und schließlich stößt er auf die schwer verletzte Kathrin Archer. Beide erreichen ein verschlafenes Nest mit dem Namen Three Oaks – das seine besten Goldgräberzeiten (der Gold Rush in Colorado ging zu Ende) hinter sich hat. Es gibt keinen Scheriff und – dem Schicksaal sei Dank – der Arzt ist kürzlich verstorben. Kerrish übernimmt dessen Haus und Praxis, kümmert sich um seine Patientin und kommt dem spleenigen Bordellbesitzer, seinen Mädchen sowie weiteren Bewohnern von Three Oaks näher. Bis ihn und Kathrin die Verfolger einholen – und natürlich geht es um Gold, Macht und Besitz!

Three Oaks ist eine flott, manchmal flapsig erzählte Geschichte vor historischem Hintergrund mit thrillerhaften Einschlägen. Die Charaktere sind zum großen Teil merkwürdig und oft undurchsichtig. Es wird geraucht, getrunken – und ja, es wird gefxxxt. Bisweilen meint Adams es mit dem Körperlichen doch etwas zu gut. Die ganze Erzählung durchzieht eine kauzige Komik, die Simon Jäger durch seine verschiedenen Sprechrollen stark stützt. Manchmal erheiternd, manchmal nervig, man fühlt sich erinnert an die Horde Kobolde in Tad Williams Happy Hour in der Hölle. Fazit: Spannender Western im modernen Sprachgewand, für den man sich eine reine Lesung durch den Sprecher gewünscht hätte.

Lübbe Audio. 2016. 18 Stunden und 39 Minuten.

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