Feuer und Zorn. Im Weißen Haus von Donald Trump. Michael Wolff.


Dieses Buch/Hörbuch könnte auch „Die Abrechnung“ heißen. Ausgerechnet der klassisch liberale und als überaus kritisch bekannte Medienjournalist Michael Wolff hat es geschafft, im Weißen Haus ein- und auszugehen. Vielleicht ein deutlicher Hinweis darauf, wie groß das Chaos dort zu Beginn der Trumpschen Regierungszeit war – diese Deutung findet sich aktuell auch in deutschen Medien. Dass Wolff selbst eine schillernde Figur ist, der es mit den journalistischen Standards nicht so genau nimmt, wird seit Erscheinen des Buchs/Hörbuchs ebenfalls diskutiert. Wolff steht politisch in der Ecke, die Trump mit Macht bekämpft. Und die mit „Feuer und Zorn“ medienwirksam dagegenhält.

Wie auch immer man zu Wolffs „Recherchen“ steht: Das Buch/Hörbuch eröffnet andere Sichtweisen auf die Geschehnisse vor und nach dem 9. November 2016. Da ist zum Beispiel die These vom „unvorstellbaren Kandidaten“. Trump selbst und sein Umfeld waren demnach überzeugt, bei der Wahl zum 45. Präsident der USA chancenlos zu sein. Genau deswegen konnte Trump einen Polter-Wahlkampf führen. Es gab für ihn ja nichts zu verlieren! (Er investierte wohl nur vergleichsweise wenig seines Privatvermögens). Und ein „unvorstellbarer Kandidat“ zieht nach Wolff vor allem „unvorstellbare“ Berater an, die politisch erfahrenen wenden sich den Kandidaten mit guten Siegchancen zu. So war die Trump-Wahlkampftruppe klein und unerfahren, wodurch es Steve Bannon leicht gemacht wurde, in das Team ein- und zum Berater aufzusteigen. Vor diesem Hintergrund kann das inhaltliche Chaos zu Beginn der Trumpschen Regierungszeit nicht überraschen – denn es gab schlichtweg keinen Plan.

Sehr nachdenklich stimmen die wörtlichen Widergaben verschiedener Reden Trumps. Der Mensch, der dort auf Deutsch zitiert wird, scheint konfus, lebt aus und für den Moment und ist aufmerksamkeitssüchtig. Von einem amerikanischen Präsidenten hat man doch eine etwas andere Vorstellung …

„Feuer und Zorn“ ist sicher ein wertvoller Beitrag zur Diskussion um die Präsidentschaft von Donald Trump und die damit verbundenen nationalen und internationalen Implikationen. Das Buch ist aber auch, was es den Trump-Vertretern vorwirft: Populistisch. Und ähnlich wie Trump scheint sich Autor Wolff zeitweise als Opfer zu inszenieren. Es liest ordentlich, bisweilen süfissant: Richard Barenberg.

Argon Verlag. Ungekürzte deutsche Fassung. Februar 2018. 13 Std. 06 Minuten.

 

Argon Verlag. Ungekürzte deutsche Fassung. Februar 2018. 13 Std. 06 Minuten.

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