Der Horror der frühen Medizin. Lindsey Fitzharris.


Grausig ging es zu in den Operationssälen des 19. Jahrhunderts. Jeder Eingriff war ein Risiko. Die Erfolgsraten der Operateure gering, ihre Selbstüberschätzung hoch. Dieses Sachbuch zeigt mit Focus auf Großbritannien die Entwicklung vom verschmutzten, blutigen Hörsaal zum antiseptischen OP.

Es ist die Geschichte des Mediziners Joseph Listers im Kampf gegen Kurpfuscher, Quacksalber und Knochenbrecher. In einer Zeit, in der man lieber amputierte als heilte, weil die Gefahr eines Wundbrandes durch die unhygienischen Zustände stets gegenwärtig war. Während der Chirurg alter Schule sich durch eine möglichst schnelle Operation mit Säge und Skalpell auszeichnetet – Narkosen mittels Äther gab es erst um 1850 – suchte Lister nach Methoden, den gefährlichen Begleiterscheinungen der gängigen Operationsmethoden zu begegnen. So entwickelte er die antiseptische Methode, die schließlich zu den hygienischen, modernen Krankenhäusern führte. Hervorragend wird erklärt, wie es zu den bis heute fühlbaren Dünkeln zwischen medizinischen Rängen und Disziplinen kam. Die Geschichte der Halbgötter in Weiß ist eine sehr grausame.

Fitzharris nimmt sich dieses faszinierenden Themas mit großer Leidenschaft an. Nichts für schwache Nerven, im ersten Teil trieft das Hörbuch vor Patientenblut, Leichenraub ist an der Tagesordnung. Ein würdiges Denkmal für den großen Joseph Lister, das Friedhelm Ptok entsprechend zu inszenieren versteht.

Lübbe Audio. Juni 2019. Ungekürztes Hörbuch. 8 Stunden, 36 Minuten.

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