Geschichte der Fantasy: Wer ist eigentlich Conan von Cimmerien?


Heute mal kein Hörbuch, dafür ein kleiner Beitrag zur Geschichte der Fantasy, (der in loser Folge ergänzt werden wird). Es geht um Conan den Cimmerier, vielen vor allem bekannt als Conan der Barbar. Conan ist eine Figur, die der amerikanische Schriftsteller Robert E. Howard (1906-1936) geschaffen und mit Leben erfüllt hat. Warum eine Beschäftigung mit Conan in diesem Hörbuchblog Sinn macht, dazu mehr am Ende des Textes.

Robert E. Howard scheint so etwas wie der Prototyp des kauzigen, eigenbrötlerischen Schriftstellers gewesen zu sein. Der Mann lebte sehr zurückgezogen. In seiner Jugend arbeitete der Texaner in einigen körperlich fordernden Jobs, z.B. auf Ölfeldern. Body Building war etwas, das Howard faszinierte. Er schöpfte daraus ein gewisses Selbstvertrauen. Mit 18 verkaufte Howard seine erste Kurzgeschichte an die legendäre Pulb-Zeitschrift Weird Tales und später konnte er tatsächlich vom Schreiben leben. Sein Output waren Fantasy-, Abenteuer- und Horrorgeschichten sowie Westernromane. Der Fantasy-Schriftsteller erfand viele abenteuerlustige Kämpfer, wie Conan, Kull oder Cormac bis er sich mit nur 30 Jahren das Leben nahm.

Der berühmteste von Howards Helden ist Conan – er schaffte es immerhin in die Marvel Comics und in eine Folge von Big Bang Theory. Conan lebt auf dem sagenhaften Superkontinent Hyperborea und damit vor Beginn der bekannten menschlichen Geschichtsschreibung und Zeitrechnung. Conan wächst in einem kleinen Dorf der Cimmerer auf. Die Cimmerer leben im Norden, ihre Welt ist voller Berge, kalt, dunkel und düster. Und ihr Gott Chrom interessiert sich nicht für die Geschicke der Sterblichen. Jeder hat sein Schicksal selbst in der Hand – und so verläuft auch Conans Leben. In den vielen Conan-Stories, die Howard selbst aber auch andere Autoren später schrieben (Lin Carter, L. Spargue de Camp u.a.), ist er Herumtreiber, Söldner, Dieb … bis er sich schließlich zum König aufschwingt, der sich selbst krönt. Napoleon lässt grüßen.

Conan wird stets gleich beschrieben, egal in welchem Alter: Er ist eine hünenhafte Gestalt von mehr als 6 Fuß Größe, mit überaus muskulösen Armen und Beinen sowie einer gewaltigen Brust. Unverkennbar sind seine gletscherblauen Augen, die schwarze, gerade geschnittene Mähne und die von der Sonne Bronze getönte, narbenübersäte Haut. Conans Vater – ein Schmied – und seine Mutter wurden früh von den Mitgliedern einer mysteriösen Sekte ermordet. Der Cimmerier nimmt als junger Mann nach einigen Jahren in der Sklaverei blutige Rache an den Führern der Sekte. (Und das ist auch ungefähr die Handlung des mit Arnold Schwarzenegger verfilmten Stoffs Conan der Barbar.) Conan ist ein herausragender Kämpfer, der meisterhaft mit dem Schwert – in der Regel schwere, lange Bi-Händer – umzugehen weiß. In seinen Kämpfen vergießt er Ströme von Blut. Die Faszination an Howards Werk liegt auch darin, dass er Conan gerne in völlig ausweglose Situationen manövriert, die der Cimmerier nur dank seiner übermenschlichen Physis meistern kann. Conan, der aus ärmsten Verhältnissen kommt, ist goldgierig, macht-interessiert und in sexueller Hinsicht heißblütig. Er ist nicht intelligent, besitzt aber eine gewisse Bauernschläue und profitiert immer wieder von seinen raubtierhaften Instinkten. Seinen Weg pflastern Kämpfe, Schätze und immer wieder Frauen, die spätestens nach einer Nacht mit dem Cimmerier seine willigen Gespielinnen sind. Die hyperboreanische Welt, die Conan mit seinen meilenfressenden Schritten durchstreift, ist absolut phantastisch. Dampfende Dschungel, öde Steppen, grüne Waiden und schroffe Berge gibt es auf diesem riesigen Kontinent. Und auch Magie, Monster, Götter, Götzen und unheimliche Kulte.

Literarisch gesehen ist das Conan-Epos der Low-Fantasy zuzurechnen. Pulp eben. Es sind einfache Geschichten, eines einfachen Helden, der Problemlösungen mit dem Schwert bevorzugt. Adjektive sind das kennzeichnende an den Conan-Stories. Häufig findet man Beschreibungen wie: Eine überaus begehrenswerte Prinzessin, deren leichtes Gewand ihre weiblichen Formen eher aufreizend betont als sie schamhaft zu verhüllen.

Conan wurde ab den 1970er Jahren eine eigene Marvel-Comic-Figur für Erwachsene. Etwas versetzt wurden die deutschen Conan-Bücher im Heyne-Verlag ein gewisser Erfolg. Conan schwamm mit auf der Welle der Fantasy- und ScfiFi-Geschichten, die in den 1980er Jahren in Deutschland eine wachsende Fan-Gemeinde fanden: Die Nebel von Avalon, Das letzte Einhorn, Der Herr der Ringe, Die Unendliche Geschichte, die Bücher von Stephen King, Star Wars, Star Treck, Ghost Busters oder dann auch Back to the Future. Bücher und Kinofilme sowie begleitende Medien verschwammen zu einem Fantasy-/SciFi-Kosmos, der zum Träumen einlud. In Zeiten des Kalten Krieges, mit der real empfundenen atomaren Bedrohung, war dem Eskapismus damit Tür und Tor geöffnet. Parallel gab es zwei weitere Stränge, die ein Fantasy-/SciFi-freundliches Klima schufen: Die wirtschaftlich sehr gute Lage in Westdeutschland, brachte eine nahezu vollständig postmaterialistisch orientierte Jugend hervor. Und diese nahm die Angebote zum Träumen genauso begeistert auf, wie die beginnende Computerisierung, die eingebettet war in ein sich stark veränderndes Mediensystem, das private Fernsehsender, CDs und multimediale PC-Spiele brachte.

In dem genannten phantasievollen Kosmos sind die Conan-Geschichten die blutigsten und brutalsten. Und wer die Conan-Bücher in den 1980ern las, war quasi ein echter Fantasy-Addict. Dennoch trugen auch sie dazu bei, dass eine ganze Generation von Stoffen inspiriert wurden, die sich bis heute, rund 30 Jahre später, als beliebte Unterhaltung durchgesetzt haben. Im Kino, in der Literatur, in Hörbüchern, im Fernsehen wimmelt es nur so von Stoffen in denen das Übernatürliche inzwischen ganz natürlich vorkommt. Erfolge der heutigen Pop-Kultur wie Harry Potter, Game of Thrones, The Walking Dead etc. fielen auch deshalb auf fruchtbaren Boden, weil solche Stoffe schon vor Jahrzehnten eine Jugend begeistern konnte. Die Jugendlichen von damals sind die Erwachsenen von heute. Sie haben ihren Spaß am Träumen beibehalten, kultiviert und inzwischen an ihre Kinder weitergegeben.

In diesem schnell entworfenen Gemälde ist Conan der Cimmerier ein wichtiger Bestandteil. Und daher wird er heute hier gewürdigt, da es in diesem Hörbuchblog oft um Fantasy-/SciFi-Titel geht. Zum Glück. Danke, Robert.

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