Ein Reif von Silber und Gold. Stephan M. Rother.


Band Drei der Königschroniken und damit Höhepunkt und Finale der Fantasy-Trilogie von Stephan M. Rother. Wir erinnern uns: Die Serie ist der erste Versuch von Rowohlt, im Fantasy-Markt Fuß zu fassen, beheimatet unter dem Dach von Rowohlt Polaris. Der Verlag hat einen erprobten Autor beauftragt: Stephan M. Rother überzeugte zum Beispiel gerade erst mit dem Fantasy-(Jugend)-Titel Die Prophezeiung des Magischen Steins (Thienemann). Dass die Handlung der Königschroniken sich Elementen einer bekannten Sage, der Kyffhäuser-Geschichte, bedient, ist ein cleverer Kniff, den eventuell andere Autoren/Verlage nachahmen werden. Eine begrüßenswerte Weiterentwicklung für das Genre in Europa. Auch im High-Fantasy-Bereich gibt es Möglichkeiten, Stoffe jenseits von androgynen Elben oder spitzhütigen Zauberern zu platzieren.

So geht die Geschichte weiter: Während Leyken in der Rabenstadt, die in der mächtigen Esche, dem Zentrum des Kaiserreichs, platziert ist, das Geheimnis um ihre verschwundene Schwester Ildris zu lüften sucht, muss die aus dem Norden stammende Sölva mitansehen, wie ihre Familie nahezu ausgelöscht wird. Morwas Plan, die Stämme zu einen, steht mit seinem Tod auf der Kippe, den beinahe vereinigten Parteien scheint eine finale Schlacht bevorzustehen. Und da ist Pol, der Gesandte, „von keinem Vater gezeugt, von keiner Mutter geboren“, der sich inzwischen auf einer Galeere befindet und geheimnisvolle Kräfte entwickelt. Wie können diese Drei die Welt, wie sie bekannt ist, retten? Denn die „vergessenen Götter zürnen“ und zusehends greifen Veränderungen um sich, die die vertraute Ordnung bedrohen.

Es ist überaus kunstvoll, wie Rother diese drei jungen Figuren aufs Papier meißelt. Umso mehr, als sich ein großer Teil der Handlung um die längste Nacht des Jahres gruppiert, die Raunacht. Angesichts dieses engen Zeitfensters arbeitet Rother mit seinen Figuren so präzise, als schriebe er auf dem winzigen Kopf einer Stecknadel. Leyken, Sölva, Pol – die drei jugendlichen Helden werden in Stellung gebracht, um dann in einer überraschenden Wendung das Ende des dritten und letzten Bandes einzuleiten. So viel darf gesagt werden: Es ist ein Ende, das überrascht und nachdenklich macht.

Auch der dritte Band der Königschroniken kommt wieder auf sprachlich hohem Niveau in die Buchläden und Online-Shops. Stephan M. Rother hat somit weit über 1.000 Seiten eines Fantasy-Epos abgeliefert, das in dieser literarischen Wortgewalt seines Gleichen sucht. Seine Art des Erzählens nimmt einen langsam mit auf die schöne Reise durch das geheimnisvolle und magische Kaiserreich der Esche. „Alles ist mit allem verbunden“, ist eine der Kernaussagen, die sich in allen drei Bänden wiederfindet. Rother signalisiert damit, dass er über eine rückwärtsgewandte Erzählung hinaus gedacht hat (ganz ähnlich wie auch Stephen King in seinen  neueren Werken zunehmend kritisch/aktuell wird). Die Hinweise auf eine zerfallende Natur und Umwelt sind genauso deutlich, wie die Aspekte einer vernetzten Kultur, die jeder Leser/Hörer tagtäglich selbst erlebt. Insofern sind die Königschroniken mehr als „nur“ Fantasy. Es ist eine mit Worten gemalte Geschichte, deren Aktualität einen ebenso berührt, wie das Schicksaal des letzten Kaisers des Eschenreichs. Als Hörbuch sind die Königschroniken ein besonderer Genuss, den der ebenfalls magische Volker Niederfahrenhorst auf souveräne und unterhaltsame Weise präsentiert. Dass Rowohlt dieses Juwel der phantastischen Literatur marketingtechnisch nicht in adäquater Flughöhe platziert hat, stimmt einen fast traurig.

Audible Studios. 20.11. 2018. Ungekürztes Hörbuch. 12 Std. und 32 Min.

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